Staatlicher Rechnungsprüfer rügt Regierung wegen Verzögerungen beim Wiederaufbau der Gaza-Grenzorte
Über zwei Jahre nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 warten viele Gemeinden im Süden Israels noch immer auf echte Normalität. Der staatliche Rechnungsprüfer erhebt schwere Vorwürfe gegen Regierung und Behörden und spricht von unnötigen Verzögerungen und organisatorischem Versagen.

Die Worte des israelischen Staatskontrolleurs Matanyahu Englman lassen keinen Raum für Missverständnisse. Mehr als zwei Jahre nach den Hamas-Massakern vom 7. Oktober 2023 schreite der Wiederaufbau der israelischen Gemeinden entlang der Gaza-Grenze viel zu langsam voran. Zentrale Programme seien nur teilweise umgesetzt, und auch im Februar 2026 gebe es noch immer Bewohner, die nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Für ein Land, das den schwersten Terrorangriff seiner Geschichte erlebte, ist diese Bilanz beschämend.
In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht kritisierte Englman scharf den Umgang der Regierung mit der zivilen Rehabilitation der betroffenen Orte. Die Mängel müssten ohne jede Verzögerung behoben werden, erklärte er. Es sei inakzeptabel, dass zweieinhalb Jahre nach dem Massaker noch immer keine geordnete staatliche Lösung für jene Menschen existiere, deren Wohnorte zerstört wurden oder weiterhin als unsicher gelten.
Der Prüfbericht untersucht die Maßnahmen von Regierung und lokalen Behörden seit den Ereignissen des Jahres 2023. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht militärische Aspekte, sondern die Wiederherstellung von zivilem Leben, Infrastruktur und gesellschaftlicher Stabilität. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus.
Nach dem Angriff hatte die Regierung die sogenannte Tekuma-Behörde eingerichtet, die den nationalen Wiederaufbau koordinieren sollte. Zudem wurden die betroffenen Gebiete als nationale Prioritätszone eingestuft, um Investitionen, Hilfen und Verwaltungsprozesse zu beschleunigen. Doch nach Ansicht des Staatskontrolleurs blieb vieles auf dem Papier stehen.
Zwar seien in den Jahren 2024 und 2025 umfangreiche Budgets bewilligt worden, doch die Umsetzung vor Ort hinke auch Anfang 2026 noch immer deutlich hinterher. Fehlende Koordination zwischen Ministerien, unklare Prioritäten und mangelhafte Aufsicht hätten dazu geführt, dass Maßnahmen verschleppt wurden. Dadurch drohe nicht nur weiterer Zeitverlust, sondern auch ein wachsender Vertrauensverlust der betroffenen Bevölkerung gegenüber dem Staat.
Besonders deutlich wird die Kritik an der Tekuma-Behörde selbst. Nach Haushaltskürzungen und gesetzlichen Änderungen hätte sie ihren mehrjährigen Wiederaufbauplan aktualisieren müssen. Dies geschah jedoch erst Monate später als vorgesehen. Diese Verzögerung habe konkrete Projekte ausgebremst und die Entwicklung der gesamten Region gehemmt auch noch im laufenden Jahr 2026.
Auch der überarbeitete Plan erfülle nicht die Anforderungen. Er lege nicht transparent dar, welche Programme aufgrund der Kürzungen reduziert oder verändert wurden. Für Bürger und lokale Verwaltungen bleibe weiterhin schwer nachvollziehbar, nach welchen Kriterien Entscheidungen getroffen werden.
Ein zentraler Problembereich ist laut Bericht das Bildungssystem. Noch immer, mehr als zwei Schuljahre nach den Angriffen, sei die Verteilung der Mittel für Schüler in den betroffenen Gemeinden ungleich und teilweise chaotisch. Gelder, die eigentlich dazu gedacht waren, Lehrkräfte in die Region zu locken und sie dort zu halten, seien bis heute nur in sehr geringem Umfang tatsächlich genutzt worden.
Gerade die psychologischen und sozialen Bedürfnisse der Kinder, die das Trauma des 7. Oktober 2023 erleben mussten, würden auch 2026 nicht ausreichend berücksichtigt. Programme zur emotionalen Unterstützung und zum Ausgleich schulischer Rückstände kämen zu langsam voran. Hier versage der Staat in einem besonders sensiblen Bereich.
Auch die Stärkung der lokalen Verwaltungen, die in der Krise eine Schlüsselrolle spielen, sei vernachlässigt worden. Mittel, die bereits 2024 bewilligt wurden, seien teilweise bis heute nicht abgerufen worden. Kommunen müssten weiterhin mit überlasteten Strukturen arbeiten, während der Wiederaufbau stocke.
Ein weiterer Vorwurf betrifft die Umweltrehabilitation. Große Flächen wurden 2023 durch Kämpfe und Raketenbeschuss massiv beschädigt. Dennoch gebe es auch Anfang 2026 noch keinen klaren, koordinierten Plan zur systematischen Sanierung dieser Gebiete.
Besonders eindringlich kritisiert Englman das Schicksal jener Menschen, die weiterhin nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Trotz politischer Versprechen, die Rückkehr werde gefördert, gebe es für viele Betroffene bis heute keine verlässliche staatliche Lösung. Dieser Zustand sei besonders gravierend und erfordere sofortiges Handeln.
Auch im Bereich Transparenz sieht der Bericht erhebliche Defizite. Die Tekuma-Behörde lege nicht klar offen, wie viel Geld tatsächlich an ausführende Stellen überwiesen werde. Es fehle ein strukturiertes System zur Kontrolle von Budgets und zur Überwachung von Fortschritten.
Der Staatskontrolleur formuliert daher eine lange Liste konkreter Empfehlungen. Er fordert eine klare Veröffentlichung von Budgetprioritäten, echte Einbindung der lokalen Gemeinden, eine Überarbeitung der Bildungsprogramme und eine stärkere Unterstützung der Kommunalverwaltungen.
Die Botschaft des Berichts ist eindeutig. Der Staat Israel hat gegenüber den Menschen im Süden eine historische Verpflichtung. Diese Gemeinden wurden 2023 Ziel barbarischer Gewalt. Ihre Bewohner haben ein Recht auf schnelle, effiziente und würdige Unterstützung auch und gerade im Jahr 2026.
Der Wiederaufbau ist mehr als ein technisches Projekt. Er ist ein nationaler Auftrag. Jeder weitere Monat der Verzögerung bedeutet zusätzliche Belastung für Familien, Kinder und ganze Gemeinschaften.
Englman ruft das Büro des Premierministers, das Finanzministerium und die Tekuma-Behörde auf, unverzüglich zu handeln. Hindernisse müssten beseitigt, Programme beschleunigt und Fehler korrigiert werden. Die Menschen an der Gaza-Grenze dürfen nicht länger auf bürokratische Prozesse warten.
Der Bericht ist eine schmerzhafte Mahnung: Solidarität darf sich nicht in Reden erschöpfen. Sie muss sich in konkreten Taten zeigen auch zweieinhalb Jahre nach dem 7. Oktober 2023.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Yael Yolovitch, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=144002756
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 11. Februar 2026