Berliner Gericht lässt Ordner nach Drangsalierung von Lahav Shapira mit 450 Euro davonkommen
Ein jüdischer Student wird an der Freien Universität Berlin von einem pro-palästinensischen Ordner abgedrängt. Die Justiz beendet das Verfahren mit einer geringen Geldauflage. Für viele ein weiteres Beispiel staatlicher Nachsicht gegenüber antisemitischem Verhalten.

Der Fall von Lahav Shapira ist längst mehr als nur ein juristischer Vorgang. Er steht sinnbildlich für eine Entwicklung, die jüdische Studenten in Deutschland zunehmend verunsichert. Nun hat das Landgericht Berlin entschieden, das Verfahren gegen den Mann einzustellen, der Shapira im Dezember 2023 den Zugang zu einem Hörsaal der Freien Universität Berlin verwehrt und ihn körperlich bedrängt hatte. Die Konsequenz für den Täter: eine Geldauflage von 450 Euro. Ein Betrag, der kaum abschreckend wirkt.
Der 32-jährige Beschuldigte war als Ordner während einer israelfeindlichen Besetzung auf dem Campus eingesetzt. Als Shapira den Hörsaal betreten wollte, wurde er abgedrängt und daran gehindert, an der Veranstaltung teilzunehmen. Was für viele Beobachter wie eine klare Diskriminierung eines jüdischen Studenten wirkte, wurde nun juristisch mit einem minimalen Bußgeld abgehandelt.
Nach Angaben des Gerichts soll der Mann 450 Euro an eine medizinische Organisation zahlen, die Verletzte im Gaza-Streifen versorgt. Zusätzlich wurde vereinbart, dass er einen symbolischen Betrag von 200 Euro direkt an Shapira überweist. Damit ist das Verfahren endgültig beendet. Eine Berufungsverhandlung wird es nicht mehr geben.
Richter Jörn Steitzer sprach von einem sachgerechten Ausgleich. Für Lahav Shapira selbst bedeutet die Entscheidung zumindest einen formalen Abschluss. Er äußerte sich erleichtert, dass der Prozess beendet sei. Doch Erleichterung ist nicht gleichbedeutend mit Gerechtigkeit. Denn die Botschaft, die von diesem Urteil ausgeht, wirft schwerwiegende Fragen auf.
Der Vorfall an der Freien Universität war kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren häufen sich Berichte über ein Klima der Einschüchterung gegenüber jüdischen Studierenden an deutschen Hochschulen. Pro-palästinensische Aktivisten dominieren öffentliche Räume, Veranstaltungen werden gestört, und wer sich offen als Jude oder als Unterstützer Israels zu erkennen gibt, muss immer häufiger mit Anfeindungen rechnen.
Dass ausgerechnet ein Ordner, der für Sicherheit und Ordnung verantwortlich sein sollte, einen jüdischen Studenten bedrängte, zeigt die Schieflage deutlich. Der Campus, der ein Ort des freien Austauschs und der offenen Debatte sein sollte, wird für viele jüdische Studenten zu einem Raum der Unsicherheit.
Der Fall Shapira bekam zusätzliche Brisanz, weil Lahav Shapira im Jahr 2024 selbst Opfer eines gewalttätigen Angriffs wurde. Ein Kommilitone attackierte ihn in Berlin und verletzte ihn erheblich. Dieser Angriff führte zu bundesweiter Empörung und warf erneut ein Schlaglicht auf den Umgang deutscher Universitäten mit antisemitischen Vorfällen.
Shapira warf der Freien Universität vor, nicht entschieden genug gegen antisemitische Diskriminierung vorzugehen. Bis heute läuft eine Klage gegen die Hochschule, in der er eine bessere Durchsetzung seiner Rechte fordert. Am 26. Februar soll das Verfahren vor dem Berliner Verwaltungsgericht fortgesetzt werden.
Der nun abgeschlossene Prozess gegen den Ordner ist daher nur ein kleines Puzzlestück in einem viel größeren Bild. Viele jüdische Studierende empfinden die Reaktionen von Universitäten und Behörden als halbherzig. Verfahren werden eingestellt, Vorfälle relativiert, Täter kommen mit geringen Strafen davon. Gleichzeitig wächst bei den Betroffenen das Gefühl, mit ihren Erfahrungen allein gelassen zu werden.
Die Entscheidung, das Verfahren gegen Zahlung einer geringen Summe einzustellen, sendet ein problematisches Signal. Sie erweckt den Eindruck, dass antisemitisches Verhalten an deutschen Hochschulen letztlich ohne ernsthafte Konsequenzen bleibt. Gerade in einer Zeit, in der Judenhass offen auf deutschen Straßen und Campusgeländen ausgelebt wird, wäre ein klares juristisches Zeichen notwendig gewesen.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass Antisemitismus im akademischen Umfeld zu oft verharmlost werde. Der Fall Shapira bestätigt diese Warnungen auf bedrückende Weise. Statt einer klaren Verurteilung steht am Ende ein Deal, der weder abschreckt noch Vertrauen schafft.
Für Lahav Shapira persönlich mag der Prozess nun abgeschlossen sein. Für viele andere jüdische Studierende in Deutschland ist das Problem jedoch weiterhin allgegenwärtig. Sie müssen sich täglich fragen, ob ihre Universitäten sie schützen oder sie im Stich lassen.
Solange Vorfälle wie dieser mit geringen Geldauflagen erledigt werden, bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Wann werden deutsche Hochschulen und Gerichte antisemitische Diskriminierung endlich mit der notwendigen Entschlossenheit behandeln?
Autor: David Goldberg
Bild Quelle: By Colin Smith, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=68010129
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 11. Februar 2026